Nordwolle_Ruegen

Unsere Erklärung zu Tierhaltungsfragen

Im Frühjahr 2017 haben wir eine Anfrage von einer Kundin bekommen, die sich Sorgen darum machte, ob Ihre Entscheidung, bei uns zu bestellen, aus Tierwohl - Sicht korrekt war. Diese Art Anfragen haben wir in der Folge häufiger bekommen, und wollen diesen "Präzedenzfall" hier einmal wiedergeben.




Unsere Kundin schrieb:

Hallo Marco und Lukas,

ich bin gerade total verunsichert, ob meine Bestell-Entscheidung in meinem Tierschutz-Sinn richtig war. Die Albert-Schweizer-Stiftung, die ich sehr schätze, hat einen Artikel veröffentlich, der ein sehr kritisches Bild zur Züchtung und Behandlung der Tiere beschreibt. Hier ist der Link auf den Artikel. Ich möchte dazu bitte von euch eine Stellungnahme haben. Ich bin gegen Kopieren der Schwänze und Kastration ohne Betäubung. Ich bin für behutsame Schur ohne Verletzungen und Stress. Solltet Ihr das nicht garantieren können, trete ich von meiner Bestelltung zurück. Gesunde Grüße von und für Herz, Kopf und Bauch!


Unsere Antwort auf diese berechtigte Anfrage

Liebe Kundin,

Wir hoffen, du hattest ein schönes Osterfest trotz des Aprilwetters =).

Zunächst wollen wir sagen, dass wir es toll finden, wie sehr du dich informierst. Weiter so! Im Folgenden wollen wir gerne zu dem Artikel der Albert-Schweizer-Stiftung Stellung nehmen.
Bereits zu Beginn, heißt es im Artikel, dass deutsche Wolle nicht verarbeitet würde, weil sie Qualitativ nicht, mit importierter Wolle mithalten könne. Es stimmt, dass deutsche Wolle generell vernichtet wird. Dies liegt allerdings überhaupt nicht an ihrer Qualität, sondern an ihrer Farbe, die für gefärbte Industrieware nicht verwendet werden kann. Das weiße Merinoschaf kann man in Deutschland nicht halten, da die Wolle nicht Wasserabweisend ist. Dadurch würde sich die Wolle des Merinoschafes bei unseren Niederschlagsmengen vollsaugen und das Schaf würde unter dem eigenen Gewicht zusammenbrechen. Anders Verhält es sich beim Pommernschaf. Die dickeren Fasern verhindern ein Auftreten von Kapillarwirkungen und verstärken so die Wasserabweisende Eigenschaft der Wolle.
Alle weiteren Punkte, die der Artikel beschreibt, treffen auf importierte Wolle genau zu. Für unsere Wolle ist dies jedoch weit gefehlt. Bei uns werden Schwänze schon seit Anfang der neunziger nicht mehr kopiert. Grund ist abgesehen vom Leid der Tiere, die Arbeitseinsparung und die Afterhygiene des Tieres. Tatsächlich hat nämlich bei Schafen der Schwanz die Funktion unseres Toilettenpapieres und trägt zu Hygiene bei. Dies funktioniert aber nur, wenn die Besatzdichte auf der Weide entsprechend gering ist.
Das angesprochene Mulesing ist ohnehin nicht notwendig, da die Physiologie des Pommernschafes keine Probleme im Afterbereich (wie bereits erwähnt) entstehen lässt. Zum Schären haben wir ein Video online. Ich denke man sieht, dass sich der Schärer Zeit nimmt und das Tier nicht verletzt. Angst in dieser Situation haben nur die Tiere, die dies zum ersten Mal mitmachen. Ältere Tiere sind entspannt, was man daran sieht, dass sie sofort nach der Schur fressen.
Der Artikel meint, man könne das beweidete Land besser nutzen: zunächst benötigt man nur 20 Hektar Land pro Tonne Wolle. Zum anderen weiden unsere Tiere auf Landesschutzdeichen und Salzwiesen die definitiv nicht anders genutzt werden könnten.
Über Pestizide in deiner Wolle brauchst du dir schon gar keine Sorgen zu machen. Die Wolle ist 100% unbehandelt. Nicht einmal gefärbt ist sie. Tatsächlich entfernen wir nicht einmal Vegetabilien (Strohreste) aus unserem Tuch (Wie alle anderen Mitbewerber) da man die winzigen Teilchen nicht sieht und ein Säure Bad dafür notwendig ist. Dieses löst Zellulose auf, greift aber auch die Fasern der Wolle an und entfettet die Wolle.

Ich hoffe wir konnten alle Fragen klären. Sollten noch Unklarheiten bestehen, dann zögere bitte nicht uns erneut zu kontaktieren.

P.S. Wenn du dir selbst ein Bild von den Tieren machen möchtest, dann mach doch mal Urlaub auf Rügen. Auf Anfrage vermitteln wir gern Kontakt zu Schäfern. Manche bieten sogar nebenbei Ferienwohnungen an.